Am 1. März 1974 sind insgesamt 18 benachbarte Gemeinden in die Stadt Rinteln eingegliedert worden: Ahe, Deckbergen, Engern, Exten, Friedrichswald, Goldbeck, Hohenrode, Kohlenstädt, Krankenhagen, Möllenbeck, Schaumburg, Steinbergen, Strücken, Todenmann, Uchtdorf, Volksen, Wennenkamp und Westendorf. Rintelns heutige Bedeutung als größte Kommune des Landkreises Schaumburg mit etwa 30.000 Einwohnern, spiegelt sich unter anderem in einer Vielzahl von naturkundlichen, sportlichen und kulturellen Vereinigungen in allen Ortsteilen.
Todenmann
Todenmann ist eines der jüngeren Dörfer in der Umgebung Rintelns. Es entstand erst seit dem 16. Jahrhunderts aus mehreren verstreut liegenden Einzelhöfen. Heute ist Todenmann aufgrund seiner sonnigen Lage und der herrlichen, über den ganzen Ort verteilten Kirschgärten ein beliebter Erholungsort für die Sommermonate. Gut ausgebaute Wanderwege führen zu schattigen Plätzen am Waldrand und geben den Blick frei auf Rinteln und das Wesertal. Schon im Zeitalter der Romantik bewegte die weite Aussicht über die sommerliche Flusslandschaft die Gemüter. Am Gasthaus „Altes Zollhaus" erinnert ein Gedenkstein an den Dichter Franz von Dingelstedt, der an dieser Stelle 1834 sein berühmtes Weserlied verfasste.
Die Herkunft des merkwürdigen Namens Todenmann ist noch immer ungeklärt. Jüngste Untersuchungen vermuten, das er von der Bezeichnung eines stillgelegten Bergwerkstollens in unmittelbarer Nähe des Ortes herrührt.
Oberhalb von Todenmann befindet sich die Ruine der so genannten Frankenburg, einer hochmittelalterlichen Höhenburg, deren Grundmauern noch gut die alten Verteidigungsanlagen erkennen lassen. Vom Papenbrink, auf dessen 303 m hohem Rücken die Grenze nach Nordrhein-Westfalen verläuft, bietet sich von der mehr als 60 m hohen Steilkante eines gewaltigen Steinbruchs ein herrliches Panorama nach Westen über die Weserkette zum Wiehengebirge. Unterhalb von Todenmann in Richtung Weser liegt das adelige Gut Dankersen. Hier wurde 1801 der Philologe Franz Wilhelm Freiherr von Ditfurth geboren.
Steinbergen
Steinbergen liegt in einer Senke am Südhang des mittleren Wesergebirges, eingebettet zwischen Messingberg und Hirschkuppe. Wer von Norden kommt, dem kündet seine Nähe die an der Passstraße gelegene Arensburg an. Wer sich aus dem Wesertal dem Dorf nähert, erblickt schon weither das Wahrzeichen Steinbergens, die neugotische Kirche mit ihrem hoch aufragenden Turm.
Die 1890 fertig gestellte Backsteinkirche ist der Nachfolgebau eines alten romanischen Gotteshauses, dessen Turmrest noch als Seitenwand eines nunmehr freistehenden Mausoleums erkennbar ist. Der Turm hatte schon vor seinem endgültigen Abriss 1889 schwere Zerstörungen erlebt. 1625, im Dreißigjährigen Krieg, war die Kirche mitsamt einem Großteil des Dorfes von marodierenden kaiserlichen Truppen geplündert und anschließend in Brand gesetzt worden.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das bedeutendste Bauwerk des Ortes - die Arensburg, strategisch günstig an einer wichtigen Passstraße über das hier nur knapp 150 m hohe Wesergebirge gelegen. Seit ihrer Errichtung, die nach archäologischen Befunden auf das 13. Jahrhundert datiert wird, war sie im Besitz der Schaumburger Grafen und diente vom 15. bis 18. Jahrhundert als Sitz eines Amtes. Zu den Zuständigkeiten dieser unteren herrschaftlichen Verwaltungseinheit gehörten ordnungspolizeiliche Aufgaben, die niedere Gerichtsbarkeit und vor allem die Eintreibung der Steuern und Abgaben. An die letztgenannte Funktion erinnert noch die Zehntscheune, die sich auf dem Burggelände befindet. Weit größere, wenn auch traurige Berühmtheit haben die unterhalb im Park gelegenen „Hexenteiche" erlangt. Hier wurde zwischen 1650 und 1670 bei mehr als 20 der Hexerei beschuldigten Frauen die berüchtigte Wasserprobe durchgeführt. Im Verlauf dieser Prozedur wurden die Angeklagten gefesselt ins Wasser geworfen, wobei das schnelle Untergehen als ein mögliches Indiz der Unschuld galt. Blieben die Angeklagten jedoch an der Oberfläche, drohte ihnen mit Gewissheit das Verbrennen, das ebenfalls in unmittelbarer Nähe stattfand.
Seit der Teilung der alten Grafschaft Schaumburg 1647, gehörte Steinbergen als einziger Ort des Wesertals zur eigenständigen Grafschaft Schaumburg-Lippe. Dessen 1807 in den Fürstenstand erhobener Regent Georg Wilhelm ließ die bereits stark verfallene Arensburg seit 1816 zu einem Lustschloss herrichten. Auf seine Gemahlin Ida geht der die Anlage umgebende Landschaftspark zurück. Ein neues Kapitel der Arensburg begann mit dem Autobahnbau gegen Ende der dreißiger Jahre. Das nahe an der Strecke gelegene Schloss wurde nun von der Reichsautobahnverwaltung erworben und zu einer Raststätte hergerichtet. Heute ist die Burg Sitz einer privaten Unternehmensgruppe und kann nur nach Voranmeldung in Gruppen besichtigt werden.
Noch ein Steinberger Bauwerk ist nicht zu übersehen: die gewaltige, in den dreißiger Jahren errichtete Auetalbrücke der Autobahn Hannover - Dortmund. Mit den zahlreichen, mächtigen Buntsandsteinbögen gehört sie hinsichtlich ihres Ausmaßes und ihrer architektonischen Gestaltung zu den bedeutendsten Brückenbauten der Vorkriegszeit in Deutschland.
Mehr als alle anderen Weserorte zwischen Hameln und Minden kann Steinbergen auf eine große Vergangenheit als Fremdenverkehrsort zurückblicken. Klimatisch günstig am Südhang des Wesergebirges gelegen, stieg der Ort bereits seit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Hameln-Löhne 1875 zu einem immer beliebter werdenden Ziel für Sommerfrischler aus ganz Norddeutschland auf. Der eigentliche Durchbruch kam dann 1901 mit der Fertigstellung der Rinteln-Stadthagener Eisenbahn, die unmittelbar an Steinbergen vorbeiführt. Mehrere große Hotels und zahlreiche kleinere Pensionen stellten sich auf die rasch wachsende Zahl von Besuchern ein. 1939, auf dem Höhepunkt der Entwicklung verzeichnete das im folgenden Jahr zum Luftkurort ernannte Dorf 7500 Gäste mit 54.000 Übernachtungen. Nach dem 2. Weltkrieg hat sich der Fremdenverkehr nie wieder ganz erholt. Mit dem Expo-Projekt „erlebniswelt steinzeichen steinbergen" setzt der Ortsteil jetzt neue Akzente. Zur Weltausstellung EXPO 2000 ist in dem stillgelegten Steinbruch ein Erlebnispark der besonderen Art entstanden. Überragt wird die Anlage vom „Jahrtausendblick", einer 30 m hohen Stahl-Glas-Konstruktion mit wunderbarer Aussicht auf Rinteln, die Weser und das Schaumburger Land. Vor den Genuss hat der Architekt allerdings 156 Stufen gestellt...
Engern
Ein rätselhafter, bemerkenswerter Mann namens Mirabilis, übersetzt „der Wundersame" lebte um 1160 im heutigen Schaumburger Land und war neben den Grafen einer der mächtigsten und wohlhabendsten Herren im Gebiet zwischen Hameln, Minden und dem Steinhuder Meer. Doch Mirabilis war nicht nur reich, sondern auch großherzig. Vielleicht hat er auch sein bevorstehendes Ende bereits gespürt und war um sein Seelenheil besorgt. Tatsache ist jedenfalls, dass jener Mirabilis um 1160 entschied, seinen gesamten Besitz dem Bistum Minden zu schenken, ein Anlass, für den eine Urkunde aufgesetzt wurde, der verschiedene Orte im Schaumburger Land ihre Ersterwähnung verdanken. Neben den umfangreichen Ländereien und Besitzrechten, die der Adelige nun zu mildtätigen Zwecken spendete, fand auch ein „Engeren" in der Nähe von „Renthelen" Erwähnung.
Zweifellos war Engern da schon Jahrhunderte älter, wobei die vielen mehr als 2000 Jahre alten Funde im Bereich des Brinkhofs genau dort die älteste Siedlungsstelle im Ortsgebiet vermuten lassen.
Der eigentliche Ort in der Weseraue entstand wohl in germanischer Zeit auf einer sandigen Anhöhe im Bereich der heutigen Straße am Schweinemarkt. Hier befand sich der für den Engern namensgebende Anger, also eine der Gemeinde gehörige Weidefläche mitten im Ort, um die herum sich die Siedlung entwickelte. Erst im 19. Jahrhundert wurde diese Wiese mit kleinen Hausstellen überbaut. Inmitten der fruchtbaren Auenlandschaft gelegen, entwickelte sich Engern in der Folgezeit ausgehend vom Hof Nr. 1 nach und nach zu einem florierenden Dorf, das anders als die benachbarten Siedlungen Stidern und Northeim auch die Wüstungsphase des Spätmittelalters überdauerte und - im Gegenteil -offenbar sogar von ihr profitierte. Denn während andere Dörfer in unmittelbarer Umgebung Rintelns um 1350 zugunsten der Stadt verlassen wurden, erhielt Engern in dieser Zeit als Sitz eines Gogerichts zusätzliche Bedeutung.
Dabei musste sich das Dorf wie kaum ein anderes den Unbilden der Weser erwehren. Katastrophale Hochwasser und die Landabschwemmungen durch die Weser haben die Einwohner Engerns (Engeraner? Engerner?) zu allen Zeiten ganz besonders herausgefordert, zuletzt 1946, als das Dorf weitgehend unter Wasser stand und nur die Ortsmitte als Insel aus der Wasserwüste herausragte.
Aber der Fluss hat in Engern auch in positiver Weise für Abwechslung gesorgt. Die Flussfischerie in der Weser, in der sich bis vor einhundert Jahren noch zahlreiche Lachse tummelten und die Schifffahrt auf dem Strom, sorgten für zusätzliche Einnahmequellen. Der historische Treidelpfad an der Weser, den Landgraf Karl im Jahr 1711 aufwändig ausbauen ließ, ist erst vor zwei Jahren bei Baggerarbeiten wieder entdeckt worden. Er liegt etwa einen Meter unter dem heutigen Niveau des Weserradweges und war gepflastert und mit großen Grenzsteinen markiert, von denen einige im vergangenen Jahr wieder am Fluss aufgestellt wurden.
Noch einmal, im Jahr 1799 investierte die damals hessische Landesherrschaft eine größere Summe in die Infrastruktur in Engern. Damals baute man die Berliner Straße zur Chaussee, zur Westendorfer Landwehr aus, um Rinteln komfortabler mit Hameln und dem Steinberger Pass zu verbinden. Heute wurde sich wohl mancher Anwohner wünschen, das der Ort nicht ganz so verkehrsgünstig läge.
Eine Besonderheit der Engerschen Geschichte dieser Zeit darf natürlich nicht unerwähnt bleiben: Die legendären, auf den Wiesen inner- und außerhalb des Orts zahlreich weidenden Engerschen Gänse. Zur besonderen Verbreitung dieser gefiederten Tiere in Engern, wie auch in Steinbergen, hat maßgeblich der Musterhof des schaumburg-lippischen Prinzen Hermann in Steinbergen beigetragen. Auf dem sogenannten „Prinzenhof" legte dieser wohltätige Spross des Fürstenhauses um 1880 eine vorbildliche Geflügelzucht an, die beispielhaft zur Hebung dieses Erwerbszweigs dienen sollte. Auch mehrere Geflügelzuchtvereine in Schaumburg gingen auf die Initiative seiner Durchlaucht zurück. Jedenfalls wurden die nunmehr mit bemerkenswertem Erfolg gezüchteten „Engerschen Göse" bald zu einem stehenden Begriff in der Umgebung und böse Zungen meinten damit nicht nur das zahlreiche Geflügel des Ortes.
Bis um 1880 war Engern ein echtes Bauerndorf, in dem fast ausschließlich die Landwirtschaft den Ton angab. Sogar eine eigene Tracht ist für die Zeit um 1850 überliefert und das Rintelner Museum bewahrt in seinem Bestand noch reich bestickte Hauben aus dieser Zeit auf, doch verschwanden diese Kleidungsformen schon bevor im benachbarten Schaumburg-Lippe die prächtigen Landestrachten durch das Fürstenhaus gefördert und populär gemacht wurden.
Sicherlich ging das Verschwinden der Engerschen Tracht auch mit dem rasanten Strukturwandel einher, den Engern in der zweiten Häfte des 19. Jahrhundert erlebte. Denn mit der Ansiedlung der Glashütte Stoevesandt in der Rintelner Nordstadt ließen sich nun zahlreiche Glasmacher und in ihrem Gefolge auch Korbflechter hier nieder, die für den Bedarf der Hütte arbeiteten. Bereits in der Kaiserzeit galt das Dorf daher als Hochburg sogenannter „sozialdemokratischer Umtriebe" und 1933 hatten die Nationalsozialisten hier ihre vehementesten Gegner. Zahlreiche Kommunisten und Sozialdemokraten aus Engern wurden verhaftet und in das sogenannte „Schutzhaftlager" Moringen gebracht.
Die zahlreichen Flüchtlinge die nach dem Krieg in Engern ihre neue Heimat fanden, haben den Wandel vom Bauerndorf zur Wohngemeinde vollendet. Neue Siedlungen, zahlreiche kleinere Handwerksbetriebe, ein Gemeindehaus, ein Feuerwehrhaus, der Sportplatz und vieles andere mehr haben aus Engern ein lebendiges Gemeinwesen mit besonderer Wohn- und Lebensqualität werden lassen.
Die wehmütigen Worte des Bürgermeisters Fritz Lahmann in der letzten Gemeinderatssitzung im Februar 1974 bevor Engern Teil der Stadt Rinteln wurde, waren sicher etwas zu pessimistisch: „Nun", klagte er damals, „sind die guten alten Zeiten ein für allemal vorbei. Wir wollen hoffen, dass auch Groß-Rinteln uns nicht vergisst!" Da war die große Mehrzweckhalle für Sport und öffentliche Veranstaltungen bereits im Bau.
Einige Eckdaten zur Geschichte Engerns
1881 Bau der Schule
1902 Gründung des Gesangvereins Concordia
1926 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
1952 Bau des Feuerwehrhauses
1956 Fertigstellung der Wasserleitung
1974 Bau der Mehrzweckhalle
1976 Eröffnung des Kirchzentrums St. Agnes
1990 Bau des Kindergartens
(Autor: Archivar Dr. Stefan Meier, September 2010)
Westendorf
Wie Todenmann, Steinbergen, Deckbergen und Schaumburg liegt auch Westendorf am sonnigen, klimatisch besonders begünstigten Südhang des Wesergebirges. Die historische Schwedenschanze westlich des Ortes diente während des 30jährigen Krieges im Jahre 1633 den schwedischen Truppen als Aufmarsch- und Sammelpunkt vor der entscheidenden Schlacht bei Hessisch Oldendorf. Damals errangen die protestantischen Truppen gegen die Katholische Liga des Kaisers einen triumphalen Sieg, der den Niedergang der kaiserlichen Macht im Nordwesten Deutschlands zur Folge hatte.
Eine kleinstaatliche Kuriosität besonderer Art ist die von Westendorfer Landwehr nach Buchholz und weiter nach Obernkirchen führende so genannte „Unabhängigkeitsstraße". Sie wurde 1835 vor dem Hintergrund eines Zollstreites zwischen Hessen und Schaumburg-Lippe erbaut und verband den südlichen Teil der hessischen Grafschaft Schaumburg um Rinteln und Hessisch Oldendorf mit den nördlichen Ämtern Obernkirchen, Rodenberg und Sachsenhagen. Notwendig wurde sie erst, als Schaumburg-Lippe sich 1834 entschloss, nicht wie Hessen dem preußischen Zollverein beizutreten, sondern dem vom Königreich Hannover gegründeten Steuerverein. Damit entstand eine neue Zollgrenze zwischen beiden Gebieten, sodass man hessischerseits zur Anlage einer neuen Straße gezwungen war, um den zu Schaumburg-Lippe gehörigen Gebirgspass von Steinbergen zu umgehen. Nur 19 Jahre lang machte die neue Straße Sinn. Dann wechselte Schaumburg-Lippe die Fronten und trat ebenfalls dem Zollverein bei.
Unmittelbar an der Bahnlinie liegt das alte Rittergut Echtringhausen. Es wurde bereits um 1090 erwähnt und befand sich jahrhundertelang im Besitz des im Schaumburgischen reich begüterten Adelsgeschlechtes von Zersen.
Deckbergen
Der Erholungsort Deckbergen liegt auf der Südseite der Weserberge an einer alten Passstraße, die nach Norden in das Auetal führt. Als Wanderziele bieten sich hier das Naturdenkmal Springensteine und die Ruinen der frühmittelalterlichen Osterburg an. Kunsthistorisch Interessierte sollten der Deckberger Kirche einen Abstecher widmen. Die zweischiffige Hallenkirche mit dem quadratischen Westturm wurde bereits in spätromanischer Zeit zwischen 1150 und 1250 errichtet. Eine wesentliche Erneuerung und Erweiterung erfuhr das Gotteshaus um 1500. In dieser Zeit entstand auch der aufwendig geschnitzte Flügelaltar.
Schaumburg
Am Südhang der Weserberge liegt, eingebettet in ein kleines Seitental zwischen Heutzeberg und dem burgbewehrten Nesselberg, der Ort Schaumburg, der im Jahre 1929 aus der Vereinigung der beiden Dörfer Ostendorf und Rosenthal mit der Domäne Coverden entstanden ist. Aufgrund seiner sonnigen Lage und der sich überall im Ort ergebenden herrlichen Aussicht in das Wesertal entwickelte sich Schaumburg schon früh zu einer beliebten Sommerfrische. Weite Spazier- und Wanderwege führen nach Westen zur Porta Westfalica und nach Osten bis in den Süntel.
Auf einem südlichen Vorsprung des Wesergebirges, weithin das Tal beherrschend erhebt sich der 1110 erstmals erwähnte Stammsitz des Schaumburger Grafengeschlechtes, die Schaumburg.
Ihr ältester bekannter Besitzer Graf Adolf I, gilt als Ahnherr der bedeutenden Holstein-Schaumburgischen Dynastie, die nach der Entmachtung Herzog Heinrichs des Löwen den größten Teil Schleswig-Holsteins als Lehen erhielt und von hier aus im Verlaufe des Hochmittelalters eine zentrale Rolle bei der Ostkolonisation spielte. Wichtige Städtegründungen wie etwa die von Hamburg gehen auf ihren Einfluss zurück.
Die Schaumburger Grafen, die nach dem Verlust der holsteinischen Länder erst in Stadthagen und dann in Bückeburg residierten, starben Mitte des 17. Jahrhunderts aus, sodass die Landgrafen von Hessen in den Besitz der Burg gelangten. 1866 ging sie mit der Annexion Hessens in das Eigentum Preußens über. Schließlich schenkte Kaiser Wilhelm II. 1909 die zu diesem Anlass gründlich restaurierten Gebäude seinem Schwager, Fürst Georg zu Schaumburg-Lippe zur Silberhochzeit, sodass die Burg heute Eigentum der Fürstlich-Schaumburg-Lippischen Hofkammer in Bückeburg ist.
Sehenswert ist der ehemalige Palas, ein im 16. Jahrhundert errichteter Sandsteinbau im Stile der Weserrenaissance mit aufwendiger Fassadengestaltung und prächtigem Kamin. Vom Georgsturm, dem ehemaligen Bergfried der Burg, erschließt sich eine herrliche Aussicht über das gesamte Wesertal. Wer den steilen Anstieg zum Hauptkamm des Wesergebirges nicht scheut, sollte der oberhalb der Schaumburg gelegenen Paschenburg einen Besuch abstatten. Vom Aussichtspunkt in unmittelbarer Nähe dieser Traditionsgaststätte bietet sich der wohl schönste Ausblick in das weite Tal zwischen Hameln und Minden.
Ahe
Die bis heute gebräuchliche Bezeichnung des Dorfes „In der Ahe" verweist auf die besondere Lage des Ortes unmittelbar „in der Aue" und wohl kein anderer Ort zwischen Hameln und Minden ist so eng mit der Weser verbunden. Das um 1130 erstmals erwähnte Dorf hat in der Vergangenheit häufig schwer unter den Hochwassern der Weser zu leiden gehabt, die überdies im Laufe der Jahrhunderte durch Abspülungen immer näher an den Kern der Siedlung herangerückt ist. Noch heute bietet Ahe dem Besucher ein intaktes, von der Landwirtschaft geprägtes Ortsbild und lädt mit seiner idyllischen Ruhe die hier auf dem Radwanderweg Weser vorüber ziehenden Radler zum Verweilen ein.
Kohlenstädt
Im mit 55 Einwohnern kleinsten Ortsteil der Stadt Rinteln befand sich bis vor etwa 150 Jahren ein Verladeplatz für Steinkohlen und Sandsteine aus den Abbaugebieten am Bückeberg. Besonders der hochwertige Obernkirchener Sandstein trat hier seinen Weg zu bedeutenden Großbaustellen in ganz Nordeuropa an. So sind das alte Rathaus in Bremen, die Fassade des Leibnizhauses in Hannover, die Michaeliskirche in Hamburg, die Siegessäule in Berlin, die alte Börse in Kopenhagen und zahlreiche andere hochrangige Bauwerke aus dem Schaumburger Naturstein errichtet worden.
Dennoch ist der Name Kohlenstädt viel älter als der Verladeplatz. Er wurde bereits 1364, lange vor der ersten Erwähnung des Schaumburger Bergbaus, genannt und bezieht sich vermutlich auf die Bedeutung als „Kalte Stätte", denn auf den vergleichsweise feuchten Flurstücken unmittelbar an der Weser war Ackerbau nur zum Teil möglich.
Möllenbeck
Die Gründung des Klosters Möllenbeck ist für das Jahr 896 belegt, als das dem hl. Petrus geweihte Kanonissenstift das kaiserliche Privileg erhielt. Aus der ersten Bauperiode im frühen 10. Jahrhundert haben sich jedoch nur noch die beiden weithin sichtbaren, ottonischen Rundtürme erhalten. Die übrigen Gebäude des mehrfach niedergebrannten Gebäudekomplexes entstammen der Zeit zwischen 1479 - 1505, als der Augustinerorden das zwischenzeitlich stark herab gewirtschaftete Stift übernahm und wieder instand setzte. Die nahezu unverändert erhaltenen Klausurgebäude nördlich der Kirche stellen heute das seltene Beispiel einer kompletten Klosteranlage aus dem späten Mittelalter dar.
Nach der Reformation in Schaumburg 1560 diente das Stift Möllenbeck einige Jahrzehnte als Lateinschule und wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg zu einer Staatsdomäne umgewandelt. Heute beherbergt es unter anderem ein kirchliches Jugendheim.
Bedauerlicherweise wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts die gesamte Inneneinrichtung des Klosters versteigert, sodass der Besucher heute nur mehr die eindrucksvolle Architektur bewundern kann. Dennoch ist das Kloster gut als Ausgangspunkt oder Ziel für Ausflüge in die waldreichen Nordhänge des Lippischen Berglandes geeignet.
Auch der Ort Möllenbeck hat im Schatten des Klosters eine wechselvolle Geschichte erlebt. Bereits bald nach der Gründung des Stifts entstand eine florierende Handwerkersiedlung, die im frühen 13. Jahrhundert stadtähnlichen Charakter hatte und über Marktrecht, Ratsverfassung und eine eigene Pfarrkirche verfügte. Mit der Gründung Rintelns um 1235 begann die schließlich vollständige Auflösung dieser Siedlung zugunsten der aufblühenden Weserstadt. Das jetzige Dorf ist, ebenso wie die an der Straße nach Rinteln sich erstreckende Siedlung Hessendorf aus einer gezielten Neuansiedlung des 17. Jahrhunderts hervorgegangen.
Krankenhagen
Mit 2.064 Einwohnern gehört Krankenhagen zu den größten Ortsteilen der Stadt Rinteln. Das durch zahlreiche blumenprächtige Gärten aufgelockerte Dorf liegt auf den Sand- und Kiesbänken einer mächtigen Grundmoräne der vorletzten Eiszeit, wobei die Kiesgruben im Süden des Ortes einen guten Einblick in die ungewöhnliche Geologie dieses Gebietes geben. Krankenhagen erfreut sich als Wohngebiet mit guter Anbindung an die Innenstadt wachsender Beliebtheit und lädt zu erholsamen Spaziergängen in das ausgedehnte Gebiet des Möllenbecker Holzes ein.
Auf dem Knickbrink am Nordrand des Ortes befindet sich das größte, bekannte, prähistorische Gräberfeld in Südniedersachsen. Bereits für die Bronzezeit um 1500 v. Chr. sind hier die ersten Urnenbestattungen nachweisbar. Entdeckt wurde der Friedhof, als man in den 30er Jahren eine so genannte „Thingstätte" anlegen wollte. Die interessantesten urgeschichtlichen Fundstücke aus Krankenhagen wie auch dem gesamten Landkreis sind in der neu überarbeiteten prähistorischen Sammlung des Heimatmuseums Rinteln zu sehen.
Eine besondere Geschichte hat die alte Siedlung Friedrichshöhe. Sie wurde 1781 als Reihendorf entlang der Chaussee von Rinteln nach Kassel angelegt. Der damalige Landesherr Friedrich II. von Hessen-Kassel, stellte hierfür Ländereien aus dem Besitz des früheren Klosters Möllenbeck zur Verfügung.
Exten
Exten gehört zu den ältesten schaumburgischen Siedlungen und wurde bereits 896 namentlich erwähnt. Die Anfänge seiner Kirche reichen bis in die ersten Jahrzehnte nach der Christianisierung zurück und liegen damit noch vor der Gründung der beiden Klöster Möllenbeck und Fischbeck. Besonders reizvoll ist der Ort durch die ihn durchfließende Exter, die hier an mehreren Wehren gestaut wird und jahrhundertelang für den Betrieb zahlreicher Messerschmieden und Eisenhämmer genutzt wurde. Die Anfang des 18. Jahrhunderts in herrschaftlicher Regie gegründeten Schmieden entwickelten sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem der ersten industriellen Zentren des damaligen Kurfürstentums Hessen-Kassel. Mehr als 200 Arbeiter fanden hier Beschäftigung, bis die Konkurrenz der Solinger Messerschmieden den Niedergang der Extener Betriebe herbeiführte. Ein großer Teil der Arbeiter wanderte damals in das Solinger Gebiet ab, andere fanden Beschäftigung in der Rintelner Glashütte Stoevesandt, wo sie das Korbflechten für die großen Ballonflaschen erlernten und damit den Grundstein für eine bis in die 50er Jahre dieses Jahrhunderts florierende Korbindustrie legten. Erst mit der Einführung der Kunststoffbehälter wurde auch dieses Gewerbe verdrängt.
Eine wachsende Rolle spielt seitdem der Fremdenverkehr. In der Ossenbeeke am Fuße des Taubenberges sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Ferienwohnungen entstanden. Ausgedehnte Wanderungen in die nahen Wälder sind sehr beliebt. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Exten ein beliebtes Ausflugsziel vor allem der Rintelner Bevölkerung, die im damaligen Gasthaus „am Kehl" oberhalb der Exter schon vor der Jahrhundertwende Tennisplatz und Kegelbahn vorfand.
Noch ein besonderes Beispiel des Extener Gewerbefleißes muss an dieser Stelle Erwähnung finden. Die Wesergold GmbH. Aus einem kleinen Familienbetrieb entstand hier in wenigen Jahrzehnten ein weltweit operierendes Großunternehmen, das heute mit mehr als 600 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern der Stadt Rinteln zählt. Die Wesergold GmbH verdankt ihren Erfolg nicht zuletzt einer geologischen Besonderheit im Untergrund des Wesertales. 1969 konnte in der nahen Ossenbeeke eine Mineralwasserquelle von hervorragender Güte erschlossen werden, deren Wasser heute als „Extaler Mineralquell" im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde ist.
Wer noch mehr über die wechselvolle Geschichte Extens und seine interessante Umgebung erfahren möchte, hat hierzu in der liebevoll eingerichteten Heimatstube Am Anger 2 die beste Gelegenheit. Sie ist jeden Sonntag von 10 - 12 Uhr geöffnet.
UchtdorfUchtdorf ist gemeinsam mit dem benachbarten Krankenhagen aus einer im Spätmittelalter wüst gefallenen Siedlung, die unmittelbar an der Exter lag, hervorgegangen und bezieht sich in seinem Namen „Uptorpe", d.h. „oberhalb liegendes Dorf", noch auf die alte Ortslage. Prägend für das Dorf ist die Exter, die von Bösingfeld im Lippischen kommend, als rauschender Bach inmitten saftiger Wiesen vorüber fließt.
Wennenkamp
Der malerisch in der abwechslungsreichen, lippischen Berglandschaft gelegene Ort Wennenkamp hat seinen Namen von der hier im 13. Jahrhundert mit ausgedehntem Besitz belehnten Adelsfamilie De Wend erhalten. Der zum Ort gehörige und etwa 1 km südwestlich gelegene Hof Passenstein zählte noch im 19. Jahrhundert mit mehr als 200 Morgen Land zu den größten Bauerngütern in Südschaumburg. Bemerkenswert sind die in der Feldmark Wennenkamps deutlich sichtbaren Ackerterrassen. Sie haben die Flurbereinigung unversehrt überstanden und lassen noch heute den Verlauf der mittelalterlichen Ackergrenzen erkennen.
Wennenkamp ist ein idealer Ausgangsort für ausgiebige Wanderungen. Ein besonders lohnendes Ziel stellt dabei der auf dem 340 m hohen Rumbecker Berg errichtete Ludwigsturm dar. Von der mächtigen Holzkonstruktion, die sich weit über den schattigen Buchenhochwald erhebt, erschließt sich dem Betrachter ein in der ganzen Region einmaliges Panorama in alle Himmelsrichtungen.
Friedrichswald
Friedrichswald hat seinen Namen wie die benachbarten Siedlungen Friedrichshöhe und Friedrichsburg von seinem Gründer Landgraf Friedrich II. von Hessen, der an dieser Stelle auf dem Boden des aufgehobenen Klosters Egestorf gegen Ende des 18. Jahrhunderts neues Siedlungsland ausweisen ließ. Der Ort liegt überdies in unmittelbarer Nähe eines ehemaligen, sehr ausgedehnten Tiergartens der Schaumburger Grafen. An der Stelle des ehemaligen Jagdschlösschen aus dem 16. Jahrhundert befindet sich heute die Försterei Nösingfeld. Friedrichswald liegt inmitten eines herrlichen Wandergebietes. Die hier sehr reich gegliederte Landschaft bietet immer wieder malerische Ausblicke.
Volksen
Volksen ist eine für diesen Bereich typische Streusiedlung am Westhang der Egge. Die im Zuge einer hochmittelalterlichen Rodung entstandene Höfegruppe zeigt noch heute ein bäuerlich geprägtes Erscheinungsbild. Wegen seiner waldreichen Umgebung, der ruhigen Lage und einer schönen Aussicht in das Exter- und Wesertal ist es in jüngster Zeit als Wohnort sehr gefragt.
Goldbeck
Goldbeck ist der höchstgelegene Ort des Weserberglandes und erstreckt sich in 320 - 378 m Höhe auf einem Hochplateau, der sogenannten Schievelsteiner Hochebene. Weil der karge Boden und das rauhe Klima der Landwirtschaft nur begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten boten, entstand hier im frühen 19. Jahrhundert ein florierendes Landhandwerk, wobei besonders die Leinenweberei große Bedeutung erlangte. Über Rinteln wurde das Goldbecker Tuch bis nach Hamburg und Bremen gehandelt. Noch heute sind im Dorf die zahlreichen, eng aneinander gebauten, Handwerkerhäuser wieder zu finden.
Seine exponierte Lage macht Goldbeck zu einer lohnenden Herausforderung für Wanderer und Mountain-Biker. Auch im Winter hat das auf einer hohen und schneereichen Geländekuppe gelegene Goldbeck mit faszinierenden Ausblicken weit ins Lippische hinein dem Besucher, ob mit Langlaufski oder zu Fuß, manches Reizvolle zu bieten.
Strücken
Die Streusiedlung Strücken („in den Strücken" = „in den Sträuchern") am Nordhang des Taubenberges ist seit dem Spätmittelalter durch schrittweise Rodungstätigkeit entstanden. Durch seine offene Hanglage bietet der Ort fast überall eine schöne Aussicht auf den gegenüberliegenden Wesergebirgskamm.
Hohenrode
Hohenrode gehört zu den ältesten Kirchdörfern des Wesertals und wurde bereits im Zusammenhang mit der Gründung des Klosters Möllenbeck 896 erwähnt. Sein mehr als 1000 Jahre altes Gotteshaus mit romanischen, gotischen und barocken Bauteilen ist ein beredtes Zeugnis dieser langen Geschichte.
Hohenrode ist für seine vielfältigen kulturellen Aktivitäten bekannt. Das traditionelle Erntefest sowie Schützen- und Heimatabende sorgen für Abwechslung. Private Pensionen, Ferienwohnungen und der Ponyhof ermöglichen einen stressfreien, erholsamen Aufenthalt.
Oberhalb des Ortes befinden sich als sichtbare Zeugen einer bewegten Vergangenheit die Überreste der Burg Hohenrode. Die um 1170 errichtete Festungsanlage diente dem Grafengeschlecht von Roden als wichtiger Stützpunkt gegen die auf der anderen Weserseite residierenden Schaumburger Konkurrenten. Schon 1181, in einer heftigen Auseinandersetzung um die Herrschaft an der Weser, unterlagen die Herren von Roden und mussten die Herrschaft Adolfs III. von Schaumburg anerkennen. Ihre Burg wurde fast vollständig zerstört.
Die Entwicklung des Fremdenverkehrs ist in Hohenrode in den vergangenen Jahren stetig vorangetrieben worden, da der ruhige und gemütliche Ort an der Weser als Ausgangspunkt für schöne Wanderungen über gut ausgebaute und beschilderte Wanderwege in die Wälder des Taubenberges besonders gut geeignet ist. Zahlreiche Schutzhütten, Natur- und Kulturdenkmäler laden den Erholungssuchenden zum Verweilen ein. Die günstige Lage an der Buslinie Rinteln - Hameln ermöglicht bei weiten Wanderungen die Rückkehr mit dem öffentlichen Nahverkehr.
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